Zahnzusatzversicherungen für Kinder

Die Kieferindikationsgruppen im Detail

Die Kieferindikationsgruppen

Wer sich mit dem Behandlungsgebiet der Kieferorthopädie – also dem Teilgebiet der Zahnmedizin, dass sich mit der Erkennung, der Verhütung, sowie der Behandlung von Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer – befasst, stößt früher oder später auf die Begrifflichkeit „Kieferindikationsgruppen“ (kurz „KIG“). Da die Einstufung in die sogenannten KIG seit Januar 2002 nach dem Rahmen des § 12 SGB V dazu führt, ob Leistungen von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu erwarten sind, werden wir für Sie folgend die einzelnen KIG näher erläutern und auf Ihren Leistungsanspruch eingehen.

Einstufung in die Kieferindikationsgruppen 1-2 und 3-5

Grundsätzlich kann zwischen zwei verschiedenen Einstufungen und ihren unterschiedlichen Auswirkungen für die Betroffenen unterschieden werden:

  1. Liegt eine leichte Fehlstellung vor, deren Behandlungsempfehlungen lediglich auf kosmetischen Gründen beruhen würde (KIG 1) oder liegt eine leichte Zahnfehlstellung vor, deren Korrektur zwar medizinisch notwendig ist (KIG2), der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen diese Fehlstellungen jedoch als nicht behandlungsbedürftig deklariert, wird eine Einstufung in die Gruppe KIG 1-2 vorgenommen.
  2. Um in die Gruppe der KIG 3-5 eingestuft zu werden, muss zumindest eine stark ausgeprägte Zahnfehlstellung und/oder Kieferfehlstellung vorliegen, deren Korrektur medizinisch notwendig ist. Grundsätzlich gilt dabei die grobe Richtung: Je stärker die Fehlstellung, desto höher die KIG.

Unterschiede beim Anspruch gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung

Bevor wir im Detail darauf eingehen, bei welchen Befunden genau die Einstufung in die verschiedenen KIG vorgenommen wird, möchten wir den aktuell vorherrschenden Unterschied bei den beiden „Einstufungsgruppen“ bezüglich der Leistungserbringung der GKV darlegen:

  • Einstufung KIG 1-2: Bei einer Einstufung in die KIG 1-2 sieht die gesetzliche Krankenversicherung keinerlei Leistung für Betroffene vor. Auch wenn die Behandlung einer leichten Zahnfehlstellung vom behandelnden Kieferorthopäden als medizinisch notwendig eingestuft wird (KIG 2), sieht der Leistungskatalog der GKV hierfür keine Leistungen vor. Eltern können sich für diesen Fall mit einer adäquaten Zahnzusatzversicherung für Kinder absichern. Doch auch hier ist es von besonderer Wichtigkeit alle Leistungsdetails genau unter die Lupe zu nehmen. Vermeintliche Leistungsgiganten, die mit einem sehr hohen Erstattungssatz auftrumpfen, haben bei genauerem Hinsehen oft Leistungsdefizite im Detail. Unsere Tabelle der 20 besten Zahnzusatzversicherungen für Kinder gibt hierüber Aufschluss.
  • Einstufung KIG 3-5: Bei einer Einstufung in die KIG 3-5 werden grundsätzlich alle medizinisch notwendigen Leistungen von der GKV übernommen. Allerdings gilt hier auch das Credo, dass auch nur Regelleistungen ohne Zuzahlungen erbracht werden. Also die günstigste Versorgungsform erstattet wird. Nun ist die günstigste Versorgungsform zwangsläufig nicht die formschönste und diskreteste Versorgung, allerdings spricht neben der Ästhetik auch eine medizinische Tatsachen für eine andersartige Versorgung. Bei einer Metallspange beispielsweise, kann das Material durch den Speichel korrodieren, wodurch sich dort Karies bilden kann. Aufwendige Nachbehandlungen können die Folge sein, die Folgekosten mit sich bringen. Bei Versorgungsformen wie bspw. Keramik-, Gold- oder Kunststoffbrackets, besteht diese Gefahr nicht. Jedoch sind diese sogenannten Mehrleistungen mit Eigenbeiträgen verbunden.

Die Einstufung in die Kieferindikationsgruppen im Detail –Befunde und Erläuterung

Alle nachfolgend schriftlich dargestellten Einstufungsdetails, können Sie in einer Kurzzusammenfassung auch als PDF herunterladen. Wir haben für Sie versucht einleitend bei jedem Stichpunkt die Diagnose laienverständlich wiederzugeben. Anschließend finden Sie die medizinische Begrifflichkeit und die Inhalte aus dem angesprochenen PDF. Der bei jedem Stichpunkt markierte Buchstabe, in Kombination mit der ebenfalls markierten Zahl, stellt dabei die Koordinate in der im PDF dargestellten Tabelle wieder.

Hier können Sie das PDF zur Einstufung in die KIG 1-5 downloaden >> 

Kieferindikationsgruppe 1 (KIG 1):

  • Obere Schneidezähne stehen bis max. 3 mm vor – Sagittale Stufe distal D1 bis 3 mm
  • Offener Biss mit einem Abstand der Schneidezahnkanten bis zu 1mm – Vertikale Stufe offen (auch seitlich) O1 bis 1mm
  • Tiefer Biss mit einem Überlappen der oberen Schneidezähne von 1mm bis max. 3mm – Vertikale Stufe tief T1 < 1mm – 3 mm
  • Platzmangel mit einem Platzbedarf von bis zu 1mm – Platzmangel P1 > 1 mm

Kieferindikationsgruppe 2 (KIG 2):

  • Die oberen Schneidezähne stehen mehr als 3mm, bis zu max. 6mm vor – Sagittale Stufe distal D3 < 3 – 6 mm
  • Offener Biss mit einem Abstand von 1 bis maximal 2 mm – Vertikale Stufe offen (auch seitlich) O2 < 1 – 2 mm
  • Tiefer Biss mit einem Überlappen der oberen Schneidezähne von > 3mm. Zudem berühren die Zähne das Zahnfleisch – Vertikale Stufe tief T2 < 3mm o/m Gingivakontakt
  • Es liegt ein Kopfbiss vor. D.h. die oberen sowie unteren Schneidezähne stehen Kante auf Kante – Transversale Abweichung K2 Kopfbiss
  • Ein Engstand von 1mm bis max. 3mm wird diagnostiziert – Kontrapunktabweichung Engstand E2 < 1 – 3 mm
  • Platzmangel mit einem Platzbedarf bis zu 3 mm – Platzmangel P2 bis 3mm

Kieferindikationsgruppe 3 (KIG 3):

  • Offener Biss mit einem Abstand von 2mm bis max. 4 mm – Vertikale Stufe offen (auch seitlich) O3 < 2 mm – 4 mm
  • Tiefbiss mit einem Überlappen der oberen Schneidezähne von mehr als 3 mm. Die unteren Schneidezähne verletzen dabei das Zahnfleisch – Vertikale Stufe tief T3 < 3mm traum. Gingivakontakt
  • Kreuzbiss auf beiden Kieferseiten – Transversale Abweichung K3 beidseitiger Kreuzbiss
  • Engstand von 3 mm bis max. zu 5 mm – Kontrapunktabweichung Engstand E3 < 3mm – 5 mm
  • Platzmangel mit Platzbedarf von < 3 mm – 4 mm – Platzmangel P3 < 3 mm – 4 mm

Kieferindikationsgruppe 4 (KIG 4):

  • Zahn ist nicht vorhanden (nicht angelegt) – Zahnunterzahl (Aplasie oder Zahnverlust) U4 Unterzahl (nur wenn präpothetische Kieferorthopädie oder kieferorthopädische Lückenschluss indiziert)
  • Es liegt eine Durchbruchstörung vor – Durchbruchstörungen S4 Retension (außer 8er)
  • Obere Schneidezähne stehen mehr als 6 mm und bis max. 9 mm vor – Sagittale Stufe distal D4 < 6 mm – 9 mm
  • Es besteht ein Vorbiss. D.h. die unteren Schneidezähne stehen bis zu 3 mm vor den oberen Schneidezähnen – Sagittale Stufe mesial M4 0 mm – 3 mm
  • Offener Biss mit einem Abstand von mehr als 4 mm – Vertikale Stufe offen (auch seitlich) O4 < 4mm habituell offen
  • Die Seitenzähne des Oberkiefers stehen außen vor den Seitenzähnen des Unterkiefers – Transversale Abweichung B4 Bukkal-/Lingualokklusion
  • Kreuzbiss auf einer Kieferseite –Transversale Abweichung K4 einseitiger Kreuzbiss
  • Engstand von über 5mm – Kontrapunktabweichung Engstand E4 < 5mm
  • Platzmangel im Kiefer, mit Platzbedarf von mehr als 4 mm – Platzmangel P4 < 4mm

Kieferindikationsgruppe 5 (KIG 5):

  • Es liegt eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und andere Entwicklungsstörungen im Kopfbereich vor – Kraniofaziale Anomalien A5 Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bzw. andere kraniofaziale Anomalien
  • Verlagerung von Zähnen – Durchbruchstörungen S5 Verlagerung (außer 8er)
  • Die oberen Schneidezähne stehen mehr als 9mm vor – Sagittale Stufe distal D5 < 9 mm
  • Es liegt ein Vorbiss vor, bei dem die unteren Schneidezähne über 3 mm vor den oberen stehen – Sagittale Stufe mesial M5 < 3 mm
  • Ein offener Biss, in der Regel angeboren, der einen Abstand von über 4 mm aufweist – Vertikale Stufe offen (auch seitlich) O5 < 4mm (skelettal offen)